Aera der Egoisten

Egoismus ist zu einem Schimpfwort verkommen. Und trotzdem geht es heutzutage mehr denn je genau darum: Das eigene Ego.

Wir leben in einem Luxus, der es uns erlaubt, uns intensiv mit uns selber zu befassen. In unserem Wohlstand geht es schon lange nicht mehr ums nackte Überleben, sondern darum, wie wir unser Leben gestalten. Und das tun wir ausführlich.

Wir machen eine Ausbildung. Und nochmals eine. Und eine andere. Wir gönnen uns, alles mal ein bisschen auszuprobieren. Ein Job ist nicht einfach ein Job. Es ist der Ausdruck unserer Persönlichkeit. Kinder, Familie, Partnerschaften – das alles kann warten. Wir sind ja noch jung. Mit 37, genau wie mit 27. Da kann man sich ruhig Zeit lassen. Auch mit festen Beziehungen. Man weiß ja nie, was noch kommt.

Wir inszenieren uns auf Facebook, Instagram, wir singen auf Youtube und haben immer und überall eine Stimme. Wir geben unseren Senf zu allem, Zeitungsartikel haben Kommentarfunktionen und in politischen Fragen benehmen sich einige Leute, als hätten sie die Alleinherrschaft über das Land an sich gerissen.

Auf Konzerten hören die Leute nicht mehr zu. Sie filmen mit ihrem Handy, ununterbrochen. Sie zeigen auf Social Media, dass SIE da waren.

Jeder ist wichtig. Und das ist auch gut so. Aber mittlerweile nimmt es überhand. Das eigene „Ich“ ist unser großes Projekt geworden, dem sich alles unterordnen muss. Es ist, als sei man sein eigenes Label, das man poliert, gestaltet und vermarktet. Das Auto muss zu einem passen, der Job muss die Persönlichkeit unterstreichen, der Partner  sowieso, und alles und jedes bezieht man immerzu auf sich selbst.

Ich denke, es ist ein verzweifeltes Streben nach Perfektion. Deswegen hören wir auch ständig Stimmen in unserem Kopf, die uns zuflüstern, dass da noch mehr drin liegt, dass alles doch noch viel, viel besser sein könnte!

Und so sind wir ständig dabei, uns zu verbessern. Immer mehr, immer weiter. Denn wir wissen ja, es geht noch mehr. So lange, bis es perfekt ist.

Und da ist der Haken: es wird nie perfekt sein, denn so etwas gibt es gar nicht. Man dreht sich die ganze Zeit völlig ineffizient um sich selbst, tritt an Ort und Stelle. Welch ein Frust.

Die Auseinandersetzung mit sich selbst ist ja nicht das Problem – im Gegenteil! Eine gesunde Selbstreflexion ist geradezu zwingend für einen intelligenten Menschen, der mit der Welt klarkommen will. Aber der Unmut darüber, nicht zu einer Perfektion zu gelangen, die man für sich erhofft, wenn nicht gar erwartet, macht einen zu einem unzufriedenen Menschen.

Außerdem: Wenn man seine Augen nur auf sich selber richtet, verpasst man alles rundherum. Aber der Blick nach außen öffnet neue Horizonte, wortwörtlich. Und bringt Zufriedenheit. Denn dort, im Außen, erwarten wir keine Perfektion, sondern freuen uns einfach über das, was uns gefällt. Dort im Außen, im Moment, liegt das Glück.

Es ist unserer Generation zu wünschen, dass wir mit dem Luxus, den wir haben, auch wirklich glücklich werden können. Das schaffen wir aber nur mit Anderen, im Austausch, mit Empathie – aber ganz sicher nicht in unserem eigenen kleinen Schneckenhaus.

 

 

xoxo Grace2

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